Die15 - Magazin für die 15 Dörfer der Stadt Lichtenau

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Ein Bücherschatz für Dalheim

50 historische Handschriften werden für die neue Sonderausstellung „in die Wiege gelegt“

Die Obergeschosse im Süd- und Ostflügel der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur sind größtenteils geräumt. Unter den Zurufen der Monteure werden hier Ausstellungselemente angeliefert, Vitrinen positioniert und Grafiken aufgebracht. Darüber, auf einer Galerie in 4 Metern Höhe, ist von den schweren Aufbauarbeiten für die Ausstellung „Macht des Wortes. Benediktinisches Mönchtum im Spiegel Europas“ nichts mehr zu spüren. Hier werden in konzentrierter Detailarbeit über 50 historische Handschriften für die Schau vorbereitet.

15 laufende Meter Tischfläche wurden aufgebaut, in zwei langen Reihen lagern hier die zum Teil mehr als 1.000 Jahre alten Bücher – jedes sorgsam abgedeckt mit einem Stück säurefreiem Papier. An den Seiten der Galerie stapeln sich Koffer und schwere Metallkisten. Sie beinhalten Arbeitsmaterialien oder dienten zum Transport der wertvollen Exponate. Tageslichtlampen tauchen den sonst abgedunkelten Raums punktuell in helles Licht.

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Werkstatt im Museum: Die Papierrestauratorin Sabine Güttler (vorne) und die Kunsthistorikerin Sina Schröder fertigen Buchwiegen aus säurefreiem Karton – auf dem Tisch das typische Handwerkszeug wie Papierschneidegerät, Zangen, Gewichte und Buchbinderleim.

Das ist der Arbeitsplatz von Papierrestauratorin Sabine Güttler und der Kunsthistorikerin Sina Schröder. Hier hantieren sie mit säurefreiem Schaumstoff, Karton und Papier, mit filigranen Skalpellen und Taschenrechnern. Das Ergebnis sind exakt auf die jeweiligen Handschriften abgestimmte Pulte aus Karton, auf denen später die aufgeschlagenen Bücher in der Ausstellung gelagert werden. „Diese Buchwiegen erlauben auf der einen Seite die besucherfreundliche Präsentation der Handschriften. Auf der anderen Seite sorgen sie dabei für den größtmöglichen Schutz der empfindlichen Werke“, erläutert die Ratinger Restauratorin. Dabei den richtigen Winkel zu bestimmen, ist nicht immer ganz einfach. Und es erfordert nicht nur mathematische Kenntnisse, sondern auch jede Menge Gefühl. Denn die Geschichte eines Buches passt in keine Formel. Wie wurde die Handschrift einst gelagert, welche Seiten wurden besonders intensiv studiert, wie ist sie gebunden? Fragen, die die Mathematik nicht beantworten kann. „Das ist auch der Grund, weshalb wir jedes Buch vor Ort begutachten“, berichtet Güttler, die nun für vier Tage ins Kloster Dalheim kommt. So lange dauert es, bis alle Bücher eine passende Wiege bekommen haben. Das Spektrum der in Dalheim präsentierten Werke beeindruckt auch die erfahrene Restauratorin, die besonderen Gefallen am sogenannten „Ramsey-Psalter“ gefunden hat: einer liturgischen Handschrift des 13. Jahrhunderts aus der englischen Benediktiner-Abtei Ramsey, die auch das Motiv des Ausstellungsplakates lieferte. „Die Miniaturen und Initialen zeugen von der hohen Kunstfertigkeit der mittelalterlichen Klosterschreibstuben“, erläutert die Kunsthistorikerin Sina Schröder.

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Maßarbeit: Die Kunsthistorikerin Sina Schröder bringt eine mittelalterliche Handschrift „in die Wiege“.

Die Präsentation der Handschriften ist einer der Schwerpunkte der Ausstellung, und Museumsdirektorin Dr. Julia Hallenkamp-Lumpe freut sich, einen wahren Bücherschatz in Dalheim zeigen zu können. Das Spektrum reicht von theologischen und liturgischen Werken über naturwissenschaftliche Studien bis hin zu den „Verbotenen Schriften“. „Die Klöster spielten nicht nur eine entscheidende Rolle in der Generierung von Wissen durch das Studium und durch die Forschung. Über Jahrhunderte hinweg waren es insbesondere die Bibliotheken der Klöster, in denen das Wissen der Antike ins Mittelalter und in die Neuzeit gerettet wurde“, erläutert die Direktorin und schwärmt: „Wer diese Sammlung bedeutender Schriften sieht, der kann die „Macht des Wortes“ förmlich spüren.“

Die Sonderausstellung im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Dalheim läuft bis zum 30. Dezember und wird am 2. Juli ab 14 Uhr mit einer langen Museumsnacht und freiem Eintritt eröffnet.

Pfeil_rechtsWeitere Informationen finden Sie unter www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

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Bücherschatz: Mehr als 50 Handschriften werden in der neuen Ausstellung „Macht des Wortes“ gezeigt. In langen Reihen lagern sie derzeit – jede einzelne von der Kunsthistorikerin Sina Schröder sorgsam mit säurefreiem Papier abgedeckt – auf der Galerie im Südflügel des Museums.

Fotos: LWL/Maria Tillmann

 

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